Readin'English


Hallo ihr Alle!

Heute möchte ich euch eine neu Rubrik vorstellen: Readin'English!
Und da möchte ich ganz einfach über englische Bücher schreiben. Ich lese seit fast einem halben Jahr nun sehr viel auf Englisch, weil ich die Übersetzungen zum einen nicht abwarten kann (Wer kennt es nicht?) und zum anderen manche Übersetzungen auch nicht so toll finde. Das fängt bei den Covern und Werbung an und endet meist bei wenige Resonanz.
Außerdem ist lesen in Originalsprache was ganz Besonderes und ich mag manche Bücher im Original sogar lieber als im Deutschen (Siehe Chroniken der Unterwelt).

Das erste Buch über das ich reden möchte, habe ich im März zur Buchmesse gelesen und sogar nebenbei ein neues Genre plus einen neuen Verlag für mich entdeckt.
Wenn ihr in den sozialen Medien und vor allem der Buchwelt im März ein bisschen unterwegs wart sagt euch "The Hate U Give" bestimmt schon etwas und um dieses Buch geht es heute.

"The Hate U Give" steht schon seit Herbst letzten Jahres auf meiner To-Read-Liste, was zum großen Teil einfach dem Cover geschuldet ist. Es ist die oberflächlichste und gemeinste Art ein Buch auszuwählen, aber es funktioniert eben. "The Hate U Give" (Im Folgenden nur noch THUG genannt) ist ein fiktives Zeitgenössisches Buch, dass sich mit #blacklivesmatter beschäftigt. Beziehungsweise mit den Misszuständen des Rassismus.
Ich will jetzt nicht groß ausholen, denn bestimmt fallen euch schon die Ohren von all den Inhaltszusammenfassungen zu diesem Buch ab.

Es geht um ein schwarzes Mädchen, dessen schwarzer Freund von einem Polizisten erschossen wird. Und ihre Erfahrungen im Leben danach. 

Ich werde keine Rezension zu diesem Buch verfassen, weil ich mich des Englischen nicht sicher genug fühle, um da wirklich gut urteilen zu können. Dafür gibt es diese Rubrik. Einfach über das Thema schreiben.

Mir hat THUG die Augen geöffnet, mich restlos begeistert und auch tief geschockt. 

Und das nicht nur wegen den offensichtlichen Problemen in unserer Gesellschaft und wie sie sich auf Einzelne auswirken können, sondern auch wegen oft tolerierten Problemen. Auch von mir selber.
Gott, was war ich von meinen eigenen Vorurteilen entsetzt. Ich habe mich nie als rassistisch eingeschätzt, war allem immer sehr offen gegenüber und sehe in unterschiedlichen Hautfarben gar kein Problem. Letztendlich gehören wir zur selben Spezies. Aber Vorurteile kommen ja nicht nur vom äußeren Erscheinungsbild, sondern auch aus Kulturen.

Die Hauptperson Starr in THUG erlebt das alles auf krasse und traurige Weise. Sie lebt ein Doppelleben, weil sie schwarz ist, in einem Problemviertel lebt und eine weiße Schule besucht. Es gibt zwei Starrs: Die, die in der Schule ganz ordentlich spricht, eher die Klappe hält, als was sagt und ihre Gefühle konstant zurückhält. Und dann gibt es die Starr die Slang spricht (Was für mich sehr cool und interessant zu lesen war.) und zwischen den Fronten von zwei bewaffneten Gangs lebt. Sie trennt diese Welten strickt voneinander und fühlt sich im Verlauf der Handlung teilweise als Verräter, weil sie einen weißen Freund hat.

Ist das nicht furchtbar? Dass wir - manchmal sogar ungewollt - Menschen zwingen sich selbst zu verleugnen. Ich finde das muss nicht sein. In keiner Hinsicht. Ob man nun Schwul ist, Schwarz oder Muslim. (Das sollen nur ein paar Beispiele sein.)

Die Autorin Angie Thomas spricht so viele Themen an, dass ein einziger Post gar nicht reicht, um das alles zu besprechen. Deswegen kommen hier nur die Dinge, die mir besonders wichtig erschienen.

Ich finde zuallererst sollte jeder das Buch lesen. Der Schreibstil ist nicht schwer oder kompliziert, da der Fokus mehr auf Starr und den Dialogen beziehungsweise ihren Gedanken liegt. Und die verwenden da eine ganz normale Alltagssprache, die man mit Schulenglisch versteht.
Die Menge an Dingen die passiert ist unglaublich und auch unglaublich wichtig. Von einem normalen Teenageralltag bis zu fast Kriegsähnlichen Zuständen ist alles dabei.

Ich mochte sehr wie eng Starr und ihre Familie zusammengehalten haben. Es gab Streits und Konflikte, aber sie haben sich immer wieder zusammengerafft und Starrs Eltern sind einfach wunderbar. Auch mit ihren Freunden hatte Starr Probleme, aber Gespräche und auch Streits haben das gut gelöst. (Es gibt wirklich viel zu viel über das ich reden möchte.) Besonders geärgert hat mich Starrs Freundin, die während ihrer gesamten Freundschaft rassistische Kommentare gemacht hat und das nicht mal gemerkt oder eingesehen! Was mir als Leser aber erst aufgefallen ist, als Starr es angesprochen hat. Ich musste dann viel darüber nachdenken was ich wohl unabsichtlich oder unwissentlich Rassistisches sage oder denke.

Die Rolle der Polizisten in dem Buch ist sehr knapp gehalten und ich war der Meinung, dass die Autorin ein realistisches Bild gezeichnet hat, dass die Polizei aber auch nicht "nur" schlecht aussehen ließ. Klar, in dem Buch gehen im Ermittlungsprozess einige Dinge schief und Ungerechtigkeiten werden einfach weggeblinzelt, aber ich klammere mich einfach an die Hoffnung, dass bei der Polizei (Egal in welchem Land) die Mehrheit gute Leute sind und sich von Vorurteilen nicht blenden lassen.

Die Öffentlichen Auftritte die Starr erlebt und auch selber machen muss zeigen auch wie sehr Medien Fakten verfälschen können und wie bewusst mit dieser Möglichkeit gespielt wird. Und was für eine große Rolle soziale Medien dabei spielen! Eines meiner liebsten Zitate hat mit Twitter zu tun:

" ... people like us in situations like this become hashtags, but they rarely get justice."

Jeder sieht diese Tweets. Aber neben wir sie ernst? Denken wir auch nur eine Minute länger darüber nach? Innerhalb von wenigen anderen Posts ist es schon wieder vergessen und ganz selten machen Menschen sich für das stark, was als Hashtag auf Twitter endet.

Ein anderes Zitat beschreibt die Reduzierung von Tatsachen durch Medien sehr schön:

"Did he realize that if he does become a hastag, some people will only see him as a drug dealer? He was so much more than that." 

Durch Starrs Beziehung zu dem erschossenen Jungen (Khalil) wird das nur verdeutlicht. Sie ist mit ihm aufgewachsen, hat die Hälfte ihres Lebens mit ihm verbracht. Und dann wird er als Drogendealer dargestellt, ein perfides Spiel mit dem Image beginnt und anhand all des Blödsinns der Khalil noch nach seinem Tod passiert, möchte man eigentlich nur schreien.

Ernsthaft, lest dieses Buch.

"The  Hate U Give" lässt einen jede menschliche Gefühlsregung fühlen. Trauer, Wut, Empörung, aber auch Freude.  

Wenn ihr das Buch gelesen habt, schreibt mir eure Meinung in die Kommentare!

Kommentare