Rezension: Water & Air


Hallo ihr Alle!

Dystopien faszinieren mich immer wieder und ich denke so schnell wird das auch nicht aufhören. Deswegen war Water & Air für mich auch ein absolutes Must-Have! Nicht nur, dass ich Lauras Bücher schon alle gelesen und gemocht habe, der Carlsen-Verlag hat zu dem Buch auch ein extra Goodie anfertigen lassen: Eine illustrierte Postkarte mit den Hauptfiguren Kenzie & Callum.



Water & Air
Autor: Laura Kneidl
Verlag: Carlsen
Seiten: 480
Format: Klappenbroschur, eBook




In Water & Air hat Laura Kneidl eine Welt gezeichnet, die nicht halb so brutal ist, wie in bisherigen namenhaften Dystopien. Vielmehr hat Laura sich an realistischeren Szenarien orientiert und sich Gedanken dazu gemacht, wie die Menschen leben würden, wenn der Meeresspiegel drastisch ansteigen würde. Und so leben die Menschen nun unter Kuppeln aus Glas im Wasser und in der Luft, denn das Festland ist geschrumpft und auch sehr kaputt gewirtschaftet. Obwohl die Menschen in den Kuppeln oder auch Kolonien über gute Technik verfügen, ist die Kommunikation zwischen den einzelnen Kolonien doch sehr klein und man kann eine Kolonie nicht verlassen, es sei denn man wird verbannt. Den einzigen Kontakt haben die Representativen - eine ausgewählte Gruppe an Menschen, die in andere Kolonien entsandt werden um Informationen, Lebensstile und Ergbut weiterzugeben.

Die Hauptperson Kenzie lebt in einer Wasserkolonie und hat ihren Platz noch nicht gefunden. Trotz eines guten Abschlusses steht ihr nicht jede Möglichkeit offen und ihren Traumjob - Entdeckerin - darf sie nicht ausüben, weil sie eine Frau ist.
Die Wasserkolonie ist sehr klein und auf regelmäßigen Nachwuchs angewiesen, weshalb Frauen hauptsächlich einfache Arbeiten verrichten und Kinder kriegen sollen.
Und daraus ergibt sich Kenzies Problem.
Aus Angst verbannt zu werden, flieht sie auf einem U-Boot und folgt ihrer Freundin Nilam zu einer Luftkolonie, um da ein neues Leben zu beginnen.
Aber nicht alles ist wie es scheint, und Kenzie gerät in das Zentrum einer Rebellion.

Laura Kneidl ist für mich eine feste Größe, wenn es um atemberaubende Welten und Handlungen geht. Auch in diesem Buch hat sie mit ihren fantastischen Ideen und detaillierten Hintergrundinformationen nicht enttäuscht.

Insgesamt fühlte sich die Welt sehr real an und alles, was irgendwie erwähnt wurde, wurde auch erklärt und belegt. Auch anhand ihrer Pinnwand auf Pinterest bekam man einen guten Eindruck, wie sie sich alles vorgestellt hat.
Der Schreibstil war in diesem Buch sehr nüchtern und knapp, was für eine Dystopie typisch zu sein scheint. Trotzdem wurden die Umgebungen und Bewegungen von Figuren gut beschrieben.
Manchmal kam mir die Welt sehr hart vor, auch wenn es um Vorurteile und Rollenverteilungen geht.
Das spiegelte sich leider auch in den Figuren wieder, sie waren alle sehr klar gezeichnet, nüchtern und manchmal fast gefühlskalt. Ich hatte mir oftmals einen bessere Blick in ihre Köpfe gewünscht, damit ich manche Handlungen auch nachvollziehen könnte.
Bücher werden ja auch gelesen, weil man sich mit den Figuren identifizieren möchte und das ist mir in diesem Buch sehr schwer gefallen.
Kenzie war schon ein sehr fester Charakter, sie musste sich nicht erst Ziele und Prioritäten setzen oder entwickeln, sie hatte das alles schon, dabei ist sie in der Luftkolonien Dingen/ Konflikten begegnet, die es in der Wasserkolonie nicht gegeben hat. Zumindest ein Zweifeln an ihren moralischen Richtlinien hätte meiner Meinung nach mal auftauchen müssen. Denn auf manche Situationen kann man sich nicht vorbereiten und reagiert ganz anders, als angenommen.
Callum hingegen war für mich schon besser zu verstehen, obwohl man seine Motive und Geschichte nicht komplett kannte. Der Interessenkonflikt in dem er sich befindet hat ihn mir sehr viel sympathischer und auch greifbarer gemacht.
Allerdings hat auch Callum so seine Schattenseiten und besonders ein Satz hat mir viele Sorgen gemacht:

"Du bist kein Mörder." 
"Nein, das bin ich nicht." Callum lächelte traurig. "Aber zum Wohl der Kolonie kann ich zu einem werden." 

- Holla, da ist mir aber der Mund offen stehen geblieben. Denn egal in welchem Szenario man ist, Mord ist nie eine gute Option, auch nicht zum Wohl von anderen. (Basiert natürlich nur auf meinen moralischen Grundsätzen.) Allein was das schon psychisch mit der Person anstellt. Brrr.

Ich fand es zudem interessant, dass die Figuren teilweise Laster hatten oder einfach nicht in das bevorzugte Weltbild von Dystopien gepasst haben. Heterosexuelle Liebe ist mir in noch keiner Dystopie begegnet und auch Drogen wurden da noch nicht angesprochen, dabei stirbt sowas ja mit der Zukunft nicht aus. Dass die Figuren eben nicht alle absolut vorbildlich waren
hat das Buch meiner Meinung nach, noch besonderer gemacht.
Obwohl man sich an ihnen jetzt kein Beispiel nehmen sollte. Aber Diversity sollte definitiv ein fester Bestandteil von Jugendliteratur werden.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass mir der Plot, die Szenerie und die Figuren sehr zugesagt haben, obwohl ich mir ein bisschen mehr emotionalen Einblick gewünscht habe.

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