Rezension: Das dunkle Herz des Waldes




Eckdaten:
Autor: Naomi Novik
Titel: Das Dunkle Herz des Waldes 
Verlag: cbj-Verlag 
Seiten: 576 
Format: Hardcover, eBook 
Preis: 17, 99 Euro








Hallo ihr Alle!
Heute kommt der letzte Post auf diesem Blog in 2016! Woah, wie schnell ist dieses Jahr nur vorbei gerauscht, bitte? Und wie viele tolle Bücher hatte es im Gepäck! 

Heute bekommt ihr eines meiner Highlights aus 2016, dass ich freundlicherweise vom cbj-Verlag zum Lesen bekommen habe: Das dunkle Herz des Waldes. 

In diesem Buch werden viele, viele bekannte Sagengestalten aus den polnischen Märchen aufgegriffen, mit denen ich und vielleicht auch ihr aufgewachsen seid. Jeder kennt die Geschichten um den Drachen, der ein Dorf terrorisiert und dem eine Jungfrau geopfert werden muss. Manche kennen vielleicht die Geschichte von der Hexe Baba Jaga, die in ihrem Haus auf Hühnerbeinen lebt. Nun, all diese Figuren werdet ihr in Das Dunkle Herz des Waldes wiedersehen, aber nicht in der allgemein bekannten Form. 

Inhalt 
Agnieszka liebt das Tal, in dem sie lebt: das beschauliche Dorf und den silbern glänzenden Fluss. Doch jenseits des Flusses liegt der Dunkle Wald, ein Hort böser Macht, der seine Schatten auf das Dorf wirft. Einzig der »Drache«, ein Zauberer, kann diese Macht unter Kontrolle halten. Allerdings fordert er einen hohen Preis für seine Hilfe: Alle zehn Jahre wird ein junges Mädchen ausgewählt, das ihm bis zur nächsten Wahl dienen muss – ein Schicksal, das beinahe so schrecklich scheint wie dem bösen Wald zum Opfer zu fallen. Der Zeitpunkt der Wahl naht und alle wissen, wen der Drache aussuchen wird: Agnieszkas beste Freundin Kasia, die schön ist, anmutig, tapfer – alles, was Agnieszka nicht ist. Niemand kann ihre Freundin retten. Doch die Angst um Kasia ist unbegründet. Denn als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia, sondern Agnieszka. 

Handlung 
Das Böse in diesem Buch, das von Anfang an in der Geschichte präsent ist, kann nicht bekämpft werden. Der Wald, der Menschen verschleppt und widerwärtigen Kreaturen eine Heimat bietet, wächst mit jedem Leben, dass er nimmt und vergiftet schon durch seine Luft. Die Heldin des Buches, Nieshka, ist im Schatten dieses Waldes aufgewachsen und kennt seinen Schrecken nur allzu gut. Als sich ihr Leben an einem Tag komplett ändert und sie plötzlich die Dienerin eine Zauberers ist, erweisen sich ihre Erfahrungen mit dem Wald als Fluch und Segen zugleich. Denn Nieshka ist nicht gewillt einen weiteren geliebten Menschen zu verlieren, wenn etwas dagegen unternommen werden kann. Und so beginnt sie alles auf den Kopf zu stellen, dass der Zauberer bis dahin für gegeben hielt. 

Der Schreibstil 
Ich kann nicht anders, als diesen Stil zu loben! Naomi Novik beschreibt Figuren vielleicht nicht am brillantesten oder außergewöhnlichsten, aber sie hat ein Talent, dass man nur selten findet. Ich weiß nicht ganz, wie ich es beschreiben soll, denn sie erklärt Dinge nicht geradeheraus, sondern auf einer Art komplizierten Umweg, der aber gleichzeitig ein so klares Bild von der Atmosphäre der Dinge schafft, dass keine Beschreibung der Welt zustande gebracht hätte. Stellt euch einen kleinen Bach im Wald vor, der sich schlängelt und windet, der über Steine hopst und plätschert und eine Weile braucht, bis er einen See gefunden hat. Der Mensch findet natürlich den geraderen, schnelleren Weg, lässt dabei aber die Schönheit der Natur völlig unbeachtet. Ungefähr so schreibt Naomi Novik. Sie nimmt nicht den geraden, einfachen Weg, der dem Buch bestimmt einhundert Seiten weniger gebracht hätten, sondern folgt einer mehr natürlichen Beschreibung, die einen ganz besonderen Zauber in sich birgt.    

Meine Meinung 
Nach dem Lesen hatte ich wiederstreitende Gefühle, die auch nach Tagen und Wochen noch anhalten. Dies ist aber nicht etwa dem Buch geschuldet, sondern eher der Tatsache, dass ich die Art Märchen und Fantasiewelt, die in diesem Buch kreiert sind, nicht mag. Wobei mögen auch das falsche Wort ist. Ich finde sie gruselig. 
Ich bin mit ihnen aufgewachsen in unzähligen Märchenfilmen und immer hing eine düstere, beklemmende Atmosphäre über diesen Welten. Und das ist auch in diesem Buch zu finden. 
Es ist eine ganz andere Welt, eine ganz andere Art Fantastik, die dem Leser hier gezeigt wird; eine Welt, die nicht schön ist, sondern tödlich und die dir ins Gesicht schaut. Und du weißt genau, wie böse sie ist. 
Der Gegenpart zu dieser Düsternis ist die Hauptperson: Nieshka. Wenn man sich einmal an die Aussprache des Namen gewöhnt hat (In der Danksagung am Ende wird erklärt, wie man das aussprechen soll!) wird sie zu einem der liebsten Figuren, die es gibt. 
Sie ist, wie man so schön sagt, selbstbestimmend. Es ist nicht die Geschichte, die sie treibt, sondern sie treibt die Geschichte. 
Nieshka lässt sich von niemandem etwas befehlen, sie hat immer ihren eigenen Kopf, ist wunderbar trotzig und verbreitet gerade zu Anfang des Buches überall Chaos. Sie ist lebendig und herzerwärmend und gibt einem das Gefühl, nicht allein zu sein, in einer Welt, in die sie eigentlich nicht gehört. 
In der Geschichte zeigt Nieshka der festgefahrenen Gesellschaft der Zauberer, dass es andere Wege gibt, Probleme zu lösen. Wege, die vielleicht komisch und ziellos erscheinen, aber in einem Rhythmus enden, den kein Lehrbuch der Welt erschaffen kann. 
Das dunkle Herz des Waldes erzählt von Verständnis und Akzeptanz, von Hass und Beschützerinstinkt, von Freundschaft und Macht. Und wie man diese verbinden kann und muss, um Leben zu erhalten.  

Von mir bekommt dieses Buch 5 von 5 Sternen


Alles Liebe und einen guten Rutsch, eure Friederike! 

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