Einen Wunsch frei

Rezension  *enthält Spoiler

Autor:  Kamy Wicoff 
Titel: Einen Wunsch frei 
Verlag: Goldmann
Seiten: 441
Format: Taschenbuch, ePub

In diesem Buch geht es um die 39-jährige Jennifer Sharpe, die als Alleinerziehende, berufstätige Mutter ihr Leben nicht wirklich im Griff hat. Ihr treuloser Ex-Mann kümmert sich nicht um ihre gemeinsamen Söhne und zahlt auch keinen Cent für ihre Jungs. Nebenbei wird sie von einem intoleranten Chef getriezt, den von ihr verlang ihr Leben komplett zu vergessen und bitte 12 Stunden am Tag zu arbeiten. Kein normaler Mensch hält dieses Pensum durch, schon gar nicht, wenn man auch noch Mutter ist. 
Eines morgen dann passiert es: Jennifer findet ihr Smartphone nicht mehr! Dieses kleine Stück Technik hat ihr Leben bis dato zusammengehalten und dafür gesorgt, dass zumindest ihre Kinder vom Kindergarten nach Hause kommen und sie ihre Arbeit machen kann. Ohne ihr Telefon funktioniert gar nichts. 
Und dann findet sie es auf der Fußmatte vor ihrer Wohnungstür mit einer rätselhaften neuen App, die sich "EINEN WUNSCH FREI" nennt ... 

DIE IDEE: Das Buch hat mich sofort geködert. Es geht hierbei um eine App, die es der Protagonistin ermöglicht an zwei Orten zur gleichen Zeit zu sein. Also praktisch die Super-Mami schlechthin. Und natürlich wollte ich wissen, wie das mit der App funktioniert, denn immerhin leben wir in einem mordernen Zeitalter, in dem Träume meist nur eine Ecke von der Realität entfernt sind. 
Sobald Jennifer sich mit der App vertraut gemacht hat (Und alle Hinweise der Erfinderin tunlichst ignoriert.), entpuppt sich diese als der Schlüssel zu dem Leben, das alle von ihr erwarten. Plötzlich kann sie das genaue Arbeitspensum ihres Bosses erledigen UND mit ihren Kindern im Park spielen. 
Natürlich birgt dieses Doppelleben aber auch Schattenseiten und die meisten Probleme entstehen erst, als Jennifer ohne die App nicht mehr leben kann. Denn Menschen neigen dazu, sich mehr aufzubürden als sie tatsächlich können. 

DIE REALISTIK: Dieses Buch beschreibt den Alltag eines jeden Menschen, der Geld verdienen muss. Natürlich werden ein paar Klischees bedient: Die des tyrannischen Bosses, die der supertollen und erfolgreichen Kollegin, der super-einsichtigen besten Freundin und natürlich nicht zu vergessen, die exzentrische Erfinderin. Alles in allem eine bunte Mischung, die dem Buch seinen Charme geben. Die Autorin beschreibt die Höhen und Tiefen des Erwachsenenlebens, die Ängst und kostbaren Momente des Eltern-seins und das stetige Gefühl nie GENUG gegeben zu haben. Jennifer nutzt die App irgendwann natürlich schamlos aus und als Leser wird einem dann vor Augen geführt, wo es endet, wenn man versucht allen zu gefallen. 

DIE KOMPLEXITÄT: Hui hui hui, so viel Wissenschaftliches erwartet man nicht in diesem Buch. Zum einen hat man Jennifers Alltag, der mit der Benutzung der App plötzlich an die 30 Stunden hat und natürlich exponentiell lang ist. Wenn Jennifer also mehr als einen Termin am Tag hat, den sie mit der App bewältigt wird es schon mal verwirrend, weil diese App doch anders funktioniert als gedacht. Denn eigentlich ist sie nicht nur an zwei Orten gleichzeitig, sondern reist in der Zeit. Und dass führt dann zu Verwirrung, wenn sie von acht Uhr abends wieder zu zwölf Uhr Mittags springt. (Es wird zum Ende noch komplizierter.) Die Erfinderin der App erklärt das ganze auch sehr wissenschaftlich, wie viel Wahrheit da nun endgültig drin steckt, kann nur ein echter Physiker bewerten, denn von Wurmlöchern. Quantenschaum und Quantenverschränkung verstehe ich nichts. 

DER SCHREIBSTIL: Ein ganz normaler, ausführlicher, manchmal mit laaangen Schachtelsätzen versehener Schreibstil. Die Situationen werden hinreichend erklärt und Emotionen so gut rüber gebracht, dass man mit Jennifer deprimiert ist und sich aber auch mit ihr über ihre Jungs freuen kann. Er ist nicht abstrakt und auch nicht zu anspruchsvoll, sodass sich das Buch gemütlich lesen lässt. 

PERSÖNLICHES GEFALLEN: Tja, nun. Manchmal musste ich mich ein bisschen quälen, da Jennifer wirklich - aus meiner Sicht - anstrengend ist. Sie gönnt sich nicht wirklich Glück und hadert immer mit sich selbst. Zudem kann sie sich nicht an Regeln halten und plaudert Geheimnisse gerne aus. Sie fühlt sich immer für alles verantwortlich und ist nie mit sich zufrieden. 
Trotz allem besticht das Buch mit seiner Ehrlichkeit und den teilweise sehr entzückenden Nebenfiguren. 

Von mir bekommt das Buch 4 von 5 Sternen. 

Ein Buch, dass einem vor Augen führt, dass man nicht alleine ist mit seinen Problemen und das um Hilfe fragen keine Schande ist. 

* Danke an Randomhouse und Goldmann, für die Bereitstellung dieses Rezensionexemplars. 

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