Das Paradies gleich um die Ecke

Rezension zu Das Paradies gleich um die Ecke.

Autor: Akli Tadjer
Titel: Das Paradis gleich um die Ecke
Verlag: Blanvalet 
Seiten: 250 
Format: Softcover (mit Klappenbroschur), ePub
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Inhalt ...

Adéle hat es nicht leicht im Leben. Als fast 30 jährige führt sie das Bestattungsunternehmen ihres Vaters, dass ihr zusätzlich auch noch die ein oder andere Chance bei Männern verbaut, sie sich von diesem Beruf abgeschreckt fühlen. Sie lebt zusammen mit ihrer Freundin in einer Wohnung, die zufälligerweise einen genauso Männervertreibenden Beruf hat: Thanatopraktikerin. Wie es der Zufall will lernt Adéle auf ihrer Geburtstagsfeier einen Mann kennen, den Vorurteile nicht schrecken können: Léo. Aber Léo ist blind ...  

Die Idee handelt von einer jungen Frau, die das Gewerbe ihres Vaters übernommen hat und dessen abschreckende Wirkung ihr bei den Männern kein Glück beschert. Durch Zufall lernt sie einen blinden Mann kennen, dessen Geschichte genauso tragisch wie abenteuerlich ist. Die Probleme die sie mit anderen Männern hatte, können hierbei außen vor gelassen werden, da Léo genau weiß, wie es ist mit Vorurteilen umgehen zu müssen. Die gegenseitige Anziehungskraft wird durch Vorurteile ihrer Verwandten getrübt, durch gegenseitige Ungeschicktheit und Unsicherheiten.

Die Realistik ist schwer zu beurteilen, da ich noch keinen Umgang mit blinden Menschen hatte, aber es wirkt durchaus echt. Verschiedene Feinheiten im Tagesablauf eines Blinden bilden hierbei einen kleinen Einblick in eine fremde Welt. Adéle und Léo sind beide nicht Fehlerfrei und oft bringen sie durch zu durch viel Denken Probleme hervor, die nicht entstanden wären, wenn man unvoreingenommen und gelassen an die Situation heran gehen würde.
Die Abneigung der anderen Figuren im Roman ist abschreckend. Keiner, der Adéle nahe steht, heißt ihre Zuneigung zu Léo gut und allzu oft trifft man auf Klischeebestimmte Verurteilungen.
Die Darstellung Paris ist in jedem Kapitel zu finden. Kleine Hinweise auf Orte und Straßen, Restaurants und andere Sehenswürdigkeiten machen die Stadt lebendig.

Komplexität wird hier nicht groß geschrieben, denn das Hauptthema "Leben mit einem Blinden" nimmt genug Raum ein, um dem Buch Spannung und Konflikte zu geben. Zum Ende hin wird eine große Aktion eingeleitet, die einen gewissen Risikofaktor birgt, allerdings wird sie am Ende kaum ausführlich beschrieben und nur sehr nüchtern angerissen.

Der Schreibstil ist nüchtern. Teilweise kommt Adéle gefühllos und gleichgültig rüber, durch ihre Handlungen wird ihre mentale Verfassung zwar angedeutet, aber oft fehlt der eindeutige Hinweis, wie sie auf die Situation blickt, oder was sie stört, bzw. mag. Im Gegensatz dazu sind die Nebenrollen sehr ausgefeilt und haben häufige Auftritte, sie wirken teilweise lebendiger als Adéle selber.
Mir war es allerdings nicht möglich eine andere Stimmung als Deprimierend aus dem Schreibstil herauszulesen. Selbst die Liebesgeschichte ist eher klein gehalten und  verliebte Gefühle werden so gut wie gar nicht angedeutet. Es ist eher eine körperliche Anziehung die die Handlung beherrscht.

Zum persönlichen Gefallen will ich mich eigentlich gar nicht äußern. Ich möchte eigentlich keine negativen Rezensionen schreiben müssen, aber ich kann diesem Buch nicht viel mehr abgewinnen. Die Idee, die im Klappentext so schön angespriesen wird ist fast gar nicht zu finden, Adéle kämpft (mit 30 Jahren) immer noch mit den Problemen ihrer Jugend, hat ein paar ungesunde Gewohnheiten und ist schlicht ein Trauerbild einer jungen Frau. Sie lässt sich von ihrer Schwester gnadenlos runterputzen, und anstatt ihr mal die Meinung zu sagen, geht sie Frust-Essen. Adéle ist keinesfalls auf den Mund gefallen, aber den Leuten gegenüber, wo es zählt ist sie merkwürdig unterwürfig und unsicher gegenüber. Ich bin zwar der Meinung, dass kein Buch unbedingt eine Vorbildfunktion für den Leser haben muss, aber irgendwie möchte man ja doch ein paar Helden haben, zu denen man aufschauen kann. Adéle ist kein Held. Sie ist ein absolut schlechtes Vorbild, dem wahrscheinlich jeder Psychologe Depressionen nachsagen würde. Dieses Buch zu lesen, war eine Qual und ich kann es absolut nicht weiter empfehlen. Denn auch der Schwerpunkt - Blindheit - wird kaum angesprochen und teilweise ignoriert und ausgenutzt, denn Adéle hält sich für hässlich und findet es gut, dass Léo sie nicht sehen kann.
Auch ist siesichfür alles zu Schade. Am Ende startet sie eine tolle Aktion für Léo, ist dafür aber nicht bereit irgendwelche Opfer zu bringen, wie z.B. Babysitten.

Dieses Buch hat mich leider in keiner Hinsicht überzeugt und kann deshalb nur 1 von 5 Sternen bekommen.





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