Willkommen in Night Vale

Rezension zu Willkommen in Night Vale von Joseph Fink und Jeffrey Cranor.

Zuerst ein Geständnis: Ich habe dieses Buch wegen seines Covers gelesen. Ich habe mich einfach verliebt. Die Farben sind untypisch für deutsche Bücher, das Design ist erst recht untypisch und es sah einfach so amerikanisch aus, dass ich es haben wollte. (Sie haben das amerikanische Cover übernommen.)
Außerdem finde ich die Schriftart des Titels toll, sie erinnert an die guten "alten" Zeiten, als alles noch in Bonbonschrift verfasst wurde.

Dieses Buch ist ein Augenschmaus!

Autor: Joseph Fink & Jeffrey Cranor
Titel: Willkommen in Night Vale
Verlag: Klett-Cotta Hobbit Presse
Seiten: 377
Format: Hardcover, eBook
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Night Vale, ein Städtchen in der Wüste. 
Irgendwo in der Weite des amerikanischen Südwestens. 
Geister, Engel, Aliens oder eine Haus, das nachdenkt, gehören hier zum Alltag. Night Vale ist völlig anders als alle anderen Städte, die Sie kennen - Und doch seltsam vertraut. 

Jackie Fierro betreibt schon lange das örtliche Pfandhaus in Night Vale. Eines Tages verpfändet ein Fremder einen Zettel, auf dem in Bleistift die zwei Worte »King City« geschrieben stehen. Jackie hat sofort ein merkwürdiges Gefühl. Kaum ist er in Richtung Wüste verschwunden, erinnert sich niemand an ihn – aber Jackie kann das Papier nicht mehr aus der Hand legen. Zusammen mit der alleinerziehenden Mutter eines jugendlichen Gestaltwandlers geht Jackie daran, das Rätsel von »King City« zu lösen. Ihr Weg führt die beiden in die Bibliothek von Night Vale, die allerdings noch kaum jemand wieder lebend verlassen hat ...
Und damit hatte mich das Buch. Es klingt toll, oder? Mal so etwas richtig abgefahrenes (Eine Bibliothek die noch keiner lebend verlassen hat? Ich meine, Hallo, das schreit doch praktisch danach, DAS Buch eines jeden Lesers zu sein.) und anderes. Solche Geschichte schreiben eben nur die Ammis.

Nebenbei ist das Buch nicht das erste zum Thema Night Vale, denn eigentlich handelte es sich zuerst um einen Potcast (Also ne Online-Sendung zum Hören), die sich mit den merkwürdigen Bewohner Night Vales beschäftigt. Hier geht es übrigens zur Internetseite von Night Vale, dort findet ihr alle möglichen Extras rund um das Buch und auch ein paar Folgen des Potcasts.

Und nun zum wichtigen Teil: Meine Meinung. 

Ich habe dieses Buch am 22.03.2015 begonnen und es heute (19.04.2016) beendet. Zum einen lag es an der anstrengenden Art es zu lesen, zum anderen an Schule (Mache gerade Abiprüfungen ...). Aber trotzdem fand ich es irgendwie toll.
Dieses Buch ist etwas Besonderes, ich denke, dass ich das zutreffendste Wort für die ganze Geschichte: Besonders.

Das ganze Setting erinnert an die guten alten amerikanischen Serien: Eine Stadt mit allem, was man braucht, aber nicht besonders populär, mit einem Elternverein und einem Radio, mit den Klatsch-und-Tratsch-Menschen, Bars und einfach dieses Gemeinschaftsgefühl, dass man nur in Amerika findet.
Ich liebe diese Idee, und irgendwann werde ich mal in so einer Stadt wohnen. Ganz sicher. Und dann ist Night Vale auch mit dieser speziellen Bevölkerung gesegnet, da gibt es Engel, an die keiner glauben darf, Gestaltwandler, normale Menschen und ... tatadaaaaaam: Bibliothekare - das sind richtig üble Zeitgenossen (Die Szene in der Bibliothek ist die Allerbeste!).
Es ist ein bisschen ein kleiner Spionage-Roman, der vor allem durch alles andere besticht, das erkläre ich gleich näher.

Über Realistik kann ich nicht viel sagen, denn zum einen, ist durch die besonderen Umstände in Night Vale nichts realistisch, zum anderen kommt es dir vor, von einer Person zu lesen die du kennst. Es werden nebenbei auch die üblichen Probleme behandelt: Mutter-Sein, Identitätskrisen und das träge Vor-sich-hin-leben eines arbeitenden Bürgers, in den mittleren Jahren.
Aber wenn ihr es lest, erkennt ihr was ich meine. Die Personen sind irgendwie bekannt. Es sind Typen verschiedener Menschen dargestellt, wobei sie auf weniger Charaktereigenschaften reduziert sind, sodass jeder sich selbst in ihnen sehen kann. Das fand ich eine hervorragende Idee und Leistung, denn es wird einen beim lesen bewusst, wie blöd man manchmal sein kann.

Ich kann definitiv auch behaupten, dass das Buch komplex ist, denn zum einen wird es auch zwei Sichtweisen erzählt (Jackie Fierro und Diane Crayton) und es gibt immer die Radiosendung (Genannt: Die Stimme von Night Vale mit Cecil), zum anderen passiert auch ziemlich viel oder wenig oder gar nichts in dem Buch. Aber lest es einfach, dass ist ziemlich schwer in Worte zu fassen.

Die größte Schwierigkeit und gleichzeitig Besonderheit, ist der Schreibstil. Es ist nicht kompliziert geschrieben! Allerdings werden Dinge erzählt, die gar nicht nötig wären, also, Handlungen, die jeder macht oder eben auch nicht. Am Anfang kam es mir vor, als würden die Autoren jede Möglichkeit der Handlung niederschreiben, die in diesem Moment passieren könnte. Was einerseits ziemlich genial ist, denn jede Kleinigkeit kann deine Meinung beeinflussen, aber andererseits ist es auch sehr anstrengend, weil man in der Handlung nur schwer voran kommt.

Persönlich gefallen hat mir das Buch sehr. Es ist anders und anstrengend, aber auch faszinierend, wie ich finde, weil gleichzeitig Gesellschaftskritik betrieben wird und manchmal sogar ein paar Lebensweisheiten eingestreut wurden, die durch Handlungen oder auch Nicht-Handlungen der Personen entstanden sind. Ich mochte die Idee und den Aufbau und mein absolutes Highlight war tatsächlich die Bibliotheksszene, sie war ein bisschen schneller als der Rest des Buches, hat ein paar Dinge geklärt, aber auch wieder viele Fragen aufgeworfen (Tun das Bibliotheken nicht immer?) und die Beschreibung der Bibliothek ist einfach toll. Ich hatte zweitweise das Gefühl, ein absoluter Buch-Hasser habe sich seine Horror-Version einer Bibliothek mal aufgeschrieben. Ja, das passt ziemlich gut. (Wordcount: Bibliothek 4x)

Was ich euch zum Schluss noch sagen kann, ist, dass ihr das Buch nicht zwischendrin lesen solltet, denn dazu ist es zu komplex, es ist also kein easy-fun-read, sondern etwas für ruhige Sommerabende im Garten. Es regt zum Nachdenken an, wie ich finde und ist nebenbei noch unterhaltsam und neu.
Ihr solltet es nur lesen, wenn ihr euch für Bücher interessiert und nicht für bestimmte Helden- oder Geschichtstypen, denn das werdet ihr hier nicht finden. So etwas habe ich noch nie gelesen, geschweige denn, davon gehört.

Willkommen in Night Vale ist eine Seltenheit in der Literatur und nur für Leser, die dem Neuen und Experimentellen offen gegenüber stehen.

Von mir bekommt Willkommen in Night Vale 5 von 5 Sternen.

Es ist eine Besonderheit, die in jedes Regal eines Literaturliebhaber gehört.

Liebe Grüße, eure Charlotte.

* Dieses Buch wurde mir vom Klett-Cotta Verlag, Abteilung Hobbit Presse zur Verfügung gestellt.

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