Der Name des Windes

Es ist soweit! Ich habe es geschafft dieses gehypte Buch zu lesen. Und ich kann nur zustimmen.

Hier kommt meine Rezension zu der Name des Windes von Patrick Rothfuss.

Autor: Patrick Rothfuss
Titel: Der Name des Windes
Verlag: Klett-Cotta / Hobbit Presse  
Seiten: 859
Format: Hardcover, eBook
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»Vielleicht habt ihr von mir gehört« ... von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot - »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.

Im Mittelpunkt dieses Leseabenteuers steht ein großer Magier und leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Musiker, dessen Lieder die Sänger zum Weinen bringen ... und ein schüchterner Liebhaber.


Auch dieses Buch ist wieder der Youtuber-Gemeinde verschuldet, denn zum einen hat Peruseprojekt diese ganze Reihe in den Himmel gelobt und auch Mona Kasten konnte sich dem Zauber dieses Buches nicht entziehen (Sie hatte danach einen Bookhangover.) Und dann war ich auf der Buchmesse in Leipzig, wo es unschuldig im Regal stand und mich angeschaut hat. 
Zuvor muss ich aber sagen, dass dieses Buch natürlich nicht einfach so in meinem Regal eingezogen ist. Am Morgen des Tages, wo ich es kaufte, habe ich mir die Leseprobe auf meinem Handy vorlesen lassen, von der wohl schlechtesten Vorlesefunktion aller Zeiten. (Es konnte kein Englisch, Namen wie Jake wurden halt "Jacke" ausgesprochen, wie das Kleidungsstück, ja.) Und selbst damit hat mich dieses Buch beeindruckt. 

Zum einen war da der Reiz der Größe, fast 1000 Seiten müssen schon eine tolle Geschichte beherbergen und dann wurde mir das Buch eben immerzu empfohlen. Andererseits liebe ich auch dünne Seiten, also keine halben Pappblätter, weil ich dann das Gefühl habe, das Buch wirklich zu lesen und nicht zu inhalieren. Obwohl ich dieses Buch auch inhaliert habe. Zum Glück war Ostern. 

In dem Buch erzählt die Hauptfigur Kvothe die Geschichte selber, zwar schon auf herkömmliche Art und Weise (Ich-Perspektive), aber irgendwie auch nicht, weil es wie eine Art Theaterstück gegliedert ist: Es gibt Erzählpassagen in Ich-Perspektive und Zwischenspiele, in der auktorial erzählt wird (Erzähler tritt hinter die Figuren und kann in alle Köpfe gucken). Ich finde, dass das eine tolle Idee ist und auch der Hintergrund des Buches ist wahnsinnig umfangreich. Es wird eine Welt dargestellt, die mittelalterlich ist und in diesem Buch nur im Weltabschnitt "Commonwealth" spielt, dass an den Namen für die Britischen Einflussgebiete angelehnt ist. Es liest sich aber wie ein ganz normales Buch. Die Handlung im Buch hat einen Rahmen, ein Kapitel das gleich anfängt und endet, das auch am Ende nochmal kommt. Es werden die Lebensetappen des jungen Kvothe von elf bis 15 Jahren erzählt und wie er sich von seinem Leben als Edema Ruh (besondere Familie der fahrenden Spielleute) zu einem der begabtesten und wohl auch dreistesten Studenten des Arkanums entwickelt. Das Arkanum ist eine Universität die Naturwissenschaften und Grammatik unterrichtet, aber auch in der Sympathie unterweist, was hierbei nur ein Name für Magie ist. Die Sympathie ist hierbei so ausführlich und logisch und teilweise pseudowissenschaftlich erklärt und belegt, dass ich es fast glauben würde. Leider gibt es hier kein Arkanum. 
Kvothe selber folgt einer Mission, die er mit niemandem teilen möchte, weil man ihn a) sonst für verrückt hält und es b) gefährlich ist und er niemanden in Schwierigkeiten bringen möchte. Dass diese Mission um einiges Wichtiger und Größer werden wird, als Kvothe zunächst herausfindet, gibt der ganzen Handlung einen roten Faden und macht neugierig. 

Dieses Buch ist ein ganz anderes Kaliber, als die bisher bekannten großen Romane unserer Zeit (Harry Potter, Herr der Ringe, Twilight und diverse andere Reihen), weil es einerseits so vielschichtig wie Herr der Ringe ist - Die Welt ist unglaublich ausformuliert, mit mehrer Sprachen und auch Entwicklungen dieser Sprachen, mit allen möglichen Sagen, der einzelnen Länder, mit verschiedenen Kulturen und Begebenheiten. Es liest sich wirklich wie eine historisch korrekte Erzählung dieser Welt und ist dabei keinesfalls langweilig. Natürlich muss man solche Literatur mögen. 
Obwohl Kvothe wohl ein Held wie aus unseren Träumen ist, ist er durchaus auch realistisch dargestellt. Wie alle anderen im Roman auch. Er hat Fehler und ist manchmal überheblich, weil ihm bewusst ist,wie intelligent er ist und er macht auch Fehler. Allgemein hat mich die Realistik so beeindruckt und überzeugt, dass ich kurz einen Moment brauchte um aus stundenlangen Leseerlebnissen wieder heraus zu finden, und meist war ich danach so enttäuscht, dass es das Arkanum nicht gibt, dass ich eigentlich sofort weiterlesen wollte.  

Über Komplexität kann ich eine Menge erzählen. Eigentlich folgt das Buch zwei Handlungssträngen: Den, den Kvothe erzählt, und den, der in der Zeit, in der er nicht erzählt, also in den Zwischenspielen passiert. Man merkt bereits beim Einstieg, dass die Geschichte um Kvothe noch nicht vorbei ist, dass er auf irgendetwas wartet (Wird auch weniger subtil im ersten Kapitel angekündigt.), obwohl er den Teil seiner Geschichte bis zum Zeitpunkt des Buchbeginns erzählt. Ich hoffe, ihr konntet dieser kleinen verzwickten Erläuterung folgen.    
In der Geschichte selber laufen auch mehrere Handlungen zeitgleich ab, da Kvothe seinem Lebensweg folgen muss, aber immer mal wieder einen Abzweig nimmt aus persönlichem Interesse. 

Der Schreibstil ist gut und ausgefeilt, aber gleichzeitig nicht kompliziert. Er hat eine gewisse Intelligenz und kein Detail wird grundlos erwähnt. Früher oder später wird zu allem gesagten, bemerkten oder gehörtem Bezug genommen und ein Strang aus Zufällen, Handlungen und Absichten entsteht, der sich am Ende sehr gut zusammenfügt. Man kann das Buch flüssig lesen und langweilt sich nie, weil immer etwas Wichtiges passiert, egal ob es Aktion ist oder nicht. 

Ich denke, aus den vorherigen Abschnitten, kann man schon herauslesen, dass mir dieses Buch wirklich gut gefallen hat. Ich persönlich kann es nur jedem empfehlen, der gerne liest und der gerne viel liest. Ich mag Kvothe als Helden sehr gerne, da er guten moralischen Richtlinien folgt und kein falsches Bild von der Welt vermittelt, dass man auch auf unsere beziehen kann. Ich liebe die Idee der Sympathie, die praktisch die Universitäts-Version von Harry Potters Magie ist. Es klingt so logisch und magisch und traumhaft, dass ich es einfach glauben will. In der Welt von Rothfuss gibt es genau solche Schurken und Zeitdiebe, wie in unserer und dann eben auch fantastische Wesen, die Furcht einflößend sind und manchmal nur so aussehen (Kapitel 76). Ich kann es kaum erwarten mit Band zwei Die Furcht des Weisen weiter zu machen, denn ich will schließlich auch wissen, wie es weiter geht.     

Meine letzten Worte zu diesem Buch an euch sind, dass ihr dafür Zeit braucht und es vielleicht eher Herbst- bis Winterlektüre ist, da im Sommer die Gefühle einfach viel zu Abenteuerlustig sind, um sich ein paar Stunden hinsetzen zu können und zu lesen. Denn wenn ihr einmal drin seid im Buch, kommt ihr da nicht so schnell wieder raus. 

Von mir bekommt dieses Buch 5 von 5 Sternen

Es ist fantastisch, es ist großartig und so realistisch, dass ich am liebsten hineinkriechen möchte. 

Alles Liebe, Charlotte.  

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